Mitteldeutsche Motorenwerke, Mimo, MMW

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ROG
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Mitteldeutsche Motorenwerke, Mimo, MMW

Beitrag von ROG » Sa 15. Aug 2020, 12:13

In diesem Jahr werde ich im Rahmen der Filme über die Luftrüstungsindustrie im Raum Leipzig über die Hasag und einige weitere Zulieferer berichten. Als Bonusmaterial ist ein Film mit dem Titel "Mimo Nachtrag" vorgesehen. In den vergangenen beiden Jahren sind einige neue Erkenntnisse aufgetaucht, die ich da vorstellen möchte, z.B. neues Wissen über Gebäude, wie den Luftraumüberwachungsturm oder die Prüfstände, über den Transport der Motoren und die Betankung von Jumo 205 - Motoren durch U-Boote. Wenn noch jemand glaubt, ebenfalls noch nicht Gesagtes und Gezeigtes zum Thema zu wissen oder im Besitz zu haben, bitte ich um eine persönliche Nachricht über das Forum oder über den Kontakt auf der Webseite www.rog-film.de.
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ROG
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Re: Mitteldeutsche Motorenwerke, Mimo, MMW

Beitrag von ROG » Mo 17. Aug 2020, 15:03

Der abgebildete Turm stand an der Westseite des Mitteldeutschen Motorenwerkes bei Leipzig. Kann jemand sagen, welche genaue Funktion der Turm hatte? Bitte keine Vermutungen.

Gruß
ROG
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MIMO
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Re: Mitteldeutsche Motorenwerke, Mimo, MMW

Beitrag von MIMO » Mo 17. Aug 2020, 18:25

Hallo Rog,

die gezeigte Abbildung zeigt ein Provisorium, das nur drei Jahre existierte. Zu Kriegsende wurde der LS-Turm in Beton und Stein errichtet, zum absoluten Mißfallen der ERLA-Werke. Der Turm stand gleich neben dem Direktionsbunker am Graßdorfer Wäldchen. Der Holzturm wurde von Luftwaffensoldaten bedient und meines Wissens nach, nur als Wachturm genutzt. Im Betonturm gab es drei Untergeschosse, die noch heute existieren sollen. Wir wollten schon mal einen Antrag stellen, das Fundament freilegen zu dürfen, dann kam leider meiner Erkrankung dazwischen und so ist die Sache engeschlafen. Bis zum heutigen Tage habe ich nur Baupläne des Turms gesehen, aber keine Fotos.

MfG Marcus

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ROG
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Re: Mitteldeutsche Motorenwerke, Mimo, MMW

Beitrag von ROG » Mi 19. Aug 2020, 15:31

Hallo Marcus,
danke für die Antwort, sie wirft ein paar Fragen auf:

1. Zu Kriegsende wurde der LS-Turm in Beton und Stein errichtet, -- LS bedeutet Luftschutz?

2. zum absoluten Mißfallen der ERLA-Werke. -- Warum?

3. Der Holzturm wurde von Luftwaffensoldaten bedient und meines Wissens nach, nur als Wachturm genutzt. -- Wachturm wofür? Wenn der Ersatz LS, also vermutlich Luftschutz war?

Mit bitte um kurze und präzise Antwort.
Gruß
ROG

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Re: Mitteldeutsche Motorenwerke, Mimo, MMW

Beitrag von MIMO » Mi 19. Aug 2020, 19:11

Hallo Rog,

zu 1: ja LS ist die Abkürzung für Luftschutz

zu 2: Weil auch die Erla-Werke einen solchen LS-Turm errichten wollten, diesen aber vom zuständigen Amt nicht bewilligt bekommen haben. Der Holzturm der MIMO war bereits nach drei Jahren durch gegammelt und wurde vom zuständigen Sachverständigen erst gesperrt und musste dann abgerissen werden. Nur aus diesem Grunde bekamen die MMW einen stabilen Turm bewilligt. Es gibt zu diesem Sachverhalt einigen Schriftverkehr. Leider komme ich momentan nicht an alle Unterlagen heran und kann dir somit nicht sagen in welchem Archiv ich das fand. Ich vermute entweder das sächsische Staatsarchiv oder das Bundeswehrarchiv Koblenz.

zu 3: Es sollte erst eine 2cm FLAK installiert werden, aber auf Grund der Höhe war der Turm ziemlich instabil. Man hatte zeitweise ein Doppel-MG aufgebaut. Bei Luftangriffen war der Turm jedoch stets unbesetzt, die Wachposten verkrümmelten sich lieber in den großen Bunker in der unmittelbaren Nähe. Man überlies die feindlichen Flieger lieber den FLAK-Stellungen der Umgebung bzw. dem FLAK-Zug der zwischen Taucha und Mockau hin und her fuhr.

MfG Marcus

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Re: Mitteldeutsche Motorenwerke, Mimo, MMW

Beitrag von bredan » Mi 19. Aug 2020, 23:41

Flakturm mit Dach..? :|

Wie hätte man dort mit MG oder Flak schießen können?
Gruß Bredan

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Re: Mitteldeutsche Motorenwerke, Mimo, MMW

Beitrag von ROG » Do 20. Aug 2020, 07:49

Hallo Marcus und Bredan

Zu Punkt 2: die Erla Werke hatten, direkt in ihrer Feuerwache integriert, ebenfalls einen Turm im Westen des Werkes stehen, zumal einen aus Stein/Beton. Der ist gut sichtbar auf Fotos drauf.
Holz nach drei Jahren durchgegammelt? Kann zwar im Einzelfall sein, gerade heutzutage hält Holz oftmals nicht lange, aber drei Jahre? Damals war durch Kohlefeuerung noch vielmehr Schwefel in der Luft, der das eher verhindert.

zu Punkt 3: Also ein Maschinengewehr gegen Tiefflieger könnte ich mir vorstellen, zumal kleinkalbrige Waffen bis 2 oder 3cm eher tieffliegende Ziele hatten und die Eisenbahnflak dafür ungeeignet war. Da man aber damit nicht viel ausgerichtet hat (selbst die 2cm Vierlingsflak der Erlawerke wurde wieder abgezogen, wegen Wirkungslosigkeit) und wie Bredan schon sagt, durch das Dach ein Nachführen auch schwierig ist, hat man das vielleicht bald wieder aufgegeben.

Ich stelle meine eigene Version zur Diskussion:

Beobachtungsturm zur Luftraumüberwachung auf dem höchsten Geländepunkt nach Westen gerichtet, weil ursprünglich von dort die Angriffe erwartet wurden, was dann nicht immer so der Fall war. Besetzt mit einem Wachposten, vermutlich oben ein Telefon, da unten keine Telefonsäule zu sehen ist. Er meldet anfliegende Verbände bis zum letzten Moment, verlässt dann den Turm und geht in die am Fuße befindliche, noch heute vorhandene Splitterschutzzelle. Gleich nach dem Angriff geht er wieder hoch und meldet eventuelle Schäden oder Brände die von dort sichtbar sind.
Könnte das so gewesen sein?

Gruß
ROG

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Re: Mitteldeutsche Motorenwerke, Mimo, MMW

Beitrag von MIMO » So 23. Aug 2020, 21:16

Hallo Rog,

der Turm hatte zu Keiner Zeit ein Dach. Zeitzeugen erzählten mir das bei schlechtem Wetter eine Zeltplane gespannt wurde. Ein Telefon gab es auf dem Holzturm nicht. Laut Bericht des Sachverständigen wurden die Stützpfeiler nicht richtig behandelt und so waren 5 von 12 Pfeilern weg gegammelt. Die meisten Tieffliegerangriffe erfolgten von Parthe-Seite bzw. Seegeritz.

Zu ERLA kann ich leider nichts weiter sagen, außer das es den Schriftverkehr im Archiv gibt.

Ansonsten gehe ich mit deiner Vermutung mit, außer mit der Telefonsäule! Die Säulen die man immer wieder im Gelände entdeckt sind Feuermeldersäulen. Eine originale Bedienplatte befindet sich in meiner Sammlung. Auch sehr gut in der Werkszeitschrift "Der Motor" zu erkennen.

MfG Marcus

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