Lost Place - ehemailge Luftwaffenmuna

Robbells
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Re: Lost Place - ehemailge Luftwaffenmuna

Beitrag von Robbells » So 3. Mai 2020, 08:17

Danke Mimo für deine Bilder!

Ich war 2018 auch mal dort..habe dort aber fast nur Munbunker gesehen. Bin erstaunt über die Wohnhäuser. Sind wohl an einer anderen Stelle gewesen. Meine Zeit war damals begrenzt und sollte eher n kleiner Spaziergang werden.

Lass dich nicht entmutigen. Es immer wieder schön was von dir zu hören und zu sehen.

Hier einige Bilder von mir..

Gruß Robbells
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MIMO
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Re: Lost Place - ehemailge Luftwaffenmuna

Beitrag von MIMO » So 3. Mai 2020, 13:02

Hallo Robbels,

schön mal wieder von dir zu lesen und dann noch mit diesen tollen Bildern. An diesen Bunkern waren wir wahrscheinlich auch noch nicht. Das Gelände ist aber auch riesig. Einige wichtige Neuigkeiten habe ich aber schon wieder. Bei mir in der näheren Nachbarschaft wohnt ein Herr, der in der Firma HIT-Holz aus Torgau arbeitet und diese Firma hat das Areal gekauft. Ich habe gerade mit seinem Chef telefoniert und er will uns einige Unterlagen zur Muna zur Verfügung stellen. Außerdem darf ich aufs Firmengelände in Torgau, wo auch einige Bunker aus dem 2. Weltkrieg herum stehen. Es werden nur die Wohnhäuser bzw. der vordere Teil abgerissen, da dort Produktionshallen von HIT-Holz errichtet werden sollen.

MfG Marcus

PS: Falls Wünsdorf noch zur Disskusion steht, dann bitte Newbiex und meine Wenigkeit mit einplanen!

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siri
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Re: Lost Place - ehemailge Luftwaffenmuna

Beitrag von siri » So 3. Mai 2020, 16:42

Die Bunker stehen ganz hinten quer, also da wo die Spitze unten auf dem Bild im anderen Beitrag von mir ist. Da hatte ich schon mal fast einen Zusammenstoß mit einem Reh. Ich wollte in den Bunkereingang, wo "TAO" dran gesprüht ist rein, und das Reh raus. :biggrin:

Marcus, dass hört sich ja erst mal gut an, mit dem Bunkerbereich. Erkundige dich dann doch mal bei dem Chef, ob man dann noch von Mockrehna her auf das Gelände und zu den Bunkern kommt. Nicht das dann an der jetzigen Einfahrt eine gesperrte Betriebseinfahrt ist, und man nicht mehr rein kommt, daß wäre dann natürlich dumm. Von Strelln her ist die Straße ins Gebiet ja für PKW gesperrt, und durch einen großen Betonklotz am Anfang des Waldes versperrt. Da kommt man, auch wenn man das Verbotsschild ignoriert, nur mit dem Rad oder Moped durch.

Ich kenne zwar noch 2 Schleichwege, die sind aber auch für Fahrzeuge gesperrt, und nur für die Landwirtschaft frei, und man kommt nur bis an den Wald ran, so das man dann mehrere Autos von weiten sehen würde. Ein einzelnes Auto kann man noch gerade so durch paar Sträucher abtarnen. Ist trotzdem immer ein Risiko, man weiß ja nicht, ob einen doch einer anscheißt, und plötzlich die Polizei auftaucht. :evil:

Gruß
Siggi

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Re: Lost Place - ehemailge Luftwaffenmuna

Beitrag von newbiex » Mo 4. Mai 2020, 02:56

Wir müssen uns unbedingt Quad's besorgen... :breakdance: !
Gruß, Jens.

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Re: Lost Place - ehemailge Luftwaffenmuna

Beitrag von siri » Mo 4. Mai 2020, 21:08

Hi zusammen,

Da mich Jens bei den Glückwünschen fragte, ob ich nicht mal die Granathülsen von der Muna Strelln hier einstellen könnte, muß ich dazu sagen, dass er da wohl etwas verwechselt.
Die Granathülse, und auch andere Hülsen hab ich in einer anderen Muna (NVA) bei Sandersdorf mal gefunden, siehe Bilder.

Gruß
Siggi



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Re: Lost Place - ehemailge Luftwaffenmuna

Beitrag von Terra Inc. » Mi 6. Mai 2020, 09:43

Danke für den hochinteressanten Bericht! :action-smiley-076:
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Re: Lost Place - ehemailge Luftwaffenmuna

Beitrag von siri » Mi 6. Mai 2020, 13:51

Hi Terra Inc,

Jo, die Muna ist wie ein Buch mit 7 Siegel. In einem anderen Forum kam sogar zu Sprechen, dass die Russen in einem nahe gelegenen Steinbruch die eingelagerten Bomben dort versenkt hätten, bevor sie abgezogen sind. Da kam ich vor Lachen nicht in den Schlaf. Schon deshalb, weil es ein Munitionslager für die Artillerie war, da gab es keine Bomben. Nicht die Russen, sondern die Deutschen haben nach der Flucht vor den Amis dort unter anderen Bomben versenkt. In diesem Steinbruch liegen Kriegsgerätschaften aus dem 2. WK, (Kanonen, Gewehre, die Bomben u.s.w.), ebenso die ganzen Trossen und Laufkatzen vom Bruch, und die Maschine ( TU-134), die 1975 zur Messe in Leipzig abgestürzt ist. 2012 fing man dann an, den Steinbruch zu verschlammen, nachdem man den Versuch, den Bruch abzupumpen, aufgegeben hat. Vorher hatten immer wieder Taucher versucht, dort runter zu kommen, mussten aber immer wieder aufgeben, da es, durch die ganzen vergammelten Trossen und anderen Schrott zu gefährlich war, und dadurch Lebensgefahr bestand.

Soviel mal dazu, ich werde mal einen Bericht mit meinen gesammelten Werken von der Übernahme der Russen und ihrem Leben bis zum heutigen Zerfall, und warum die Muna geteilt wurde, hier einstellen, wenn ich ihn fertig habe. :thumbsup:
Gruß
Siggi

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Re: Lost Place - ehemailge Luftwaffenmuna

Beitrag von siri » Mi 6. Mai 2020, 23:55

Hi zusammen,

Nun hab ich mich mal hingesetzt, und aufgeschrieben, was ich so über die Muna erfahren, und selbst gesehen habe.

Ich teile das mal in zwei Teile auf, im Teil 1 von der Erschließung bis zur Übernahme der Russen, und dann im Teil 2 die Zeit, in der die Russen dort drin waren.

Teil 1, die Deutschen nutzen den Wald

WK II – L.Hpt.Mun.Anst. 2/IV Mockrehna

Umgangssprachlich Muna oder Luftmuna genannt, war die offizielle Bezeichnung Luftwaffen-Hauptmunitionsanstalt 2/IV (offiziell abgeküzt: L.Hpt.Mun.Anst.) die zweite ihrer Art im Luftgau IV.

Nur wenige der Ruinen sind heute noch eindeutig jener Zeit zuzuordnen.

Die Anfänge der militärischen Nutzung des Geländes scheinen in das Jahr 1912 zu weisen – in die Zeit des ersten Weltkrieges. Der Wald des Eilenburger Ratsforstes schien vermutlich ein gutes Versteck zu sein für ein Munitionsdepot – Straße und Eisenbahn waren ebenfalls ganz nah dran. Größere Bauaktivitäten fanden dann erst wieder ab 1935 statt. Ein Bahnanschlußgleis wurde vom östlich gelegenen Bahnhof Mockrehna direkt in den Wald gebaut.

Innerhalb weniger Jahre entstanden auf der 240 Hektar großen Fläche die für Munitionsanstalten typischen getrennten Bereiche: Wohnbereich, Verwaltungsbereich, Arbeitsbereich und Verladebereich.

Die recht großzügig anmutende Wohnsiedlung für Offiziere entstand ganz im nördlichen Bereich. Die meisten der Häuser hatten Vorgärten, Gärten zur Selbstversorgung und eine Art Veranda.

Der bauliche Zustand ist als ruinös zu beschreiben. Viel der Gebäude sind von einem natürlichem Einsturz nicht mehr weit entfernt. Was die Zeit, Vandalen oder Schrottdiebe nicht schafften, holt sich die Natur zurück. Wald und Buschwerk sind stellenweise so dicht, das man kaum die Gebäude erkennen kann, selbst wenn man kurz davor steht.

Südlich vom Wohnbereich war ein kleiner Verwaltungsbereich, dem sich ein extra abgesperrter Bereich anschließt: der sogenannte Arbeitsbereich, der Munitionsarbeitshäuser und Munitionslagerbunker enthält – wie viele es sind, lässt sich heute nicht mehr genau sagen – ca. 100 Munitionslagerbunker werden es gewesen sein, zwei Bahnverladestellen – davon eine in einem von hohen Splitterwällen und Stacheldraht abgetrennten Bereich innerhalb des Sicherheitsbereiches.

Die Munitionslagerbunker wurden meist oberirdisch errichtet und danach mit Erde überdeckt. Anschließend wurde die Erdaufschüttung bepflanzt – zur Tarnung gegen Luftaufklärung. Selbst von den Wegen aus sind sie heute kaum von weitem zu erkennen.

Zuerst wurde hier nur Munition für die Luftwaffe gelagert – hauptsächlich Bomben und Flakmunition. Der Standort Mockrehna wurde deshalb zunächst als Luftwaffenmunitionsanstalt 4/IV geführt.

Die Bunker sind natürlich alle ausgeräumt; selbst die Türen fehlen. Nur nackte Böden und Wände, teilweise mit den leidigen Graffities beschmiert, sind noch zu sehen.

Ab 1941 begann der Bau einer Füllstelle für chemische Kampfstoffe im nordwestlichen Teil des Geländes. Hier wurde hauptsächlich Senfgas in Bomben abgefüllt. Von der Gesamtproduktion aller mit Senfgas gefüllten Bomben des Deutschen Reiches lagerte knapp die Hälfte in Mockrehna!

Mit der Erweiterung des Geländes um die Abfüllanlage für chemische Kampfstoffe und der Schaffung eines separaten Bereiches für die gezielte Vernichtung von Munition wurde die Anlage zur Luftwaffen- Hauptmunitionsanstalt 2/IV hochgestuft.

Das ganze Gelände war natürlich von Stacheldraht umgeben und wurde bewacht. Die Reste eines Wachgebäudes kann man noch erkennen.

Entlang der Wege bzw. des Bahndammes stehen in größeren Abständen weitere Lagerbunker mit einer deutlich zu erkennenden Laderampe.

1945 wurde das Gelände zunächst von Amerikanern kampflos eingenommen. Eine nicht bekannte Menge an Kampfstoff- und Munitionsresten soll davor von den Deutschen in einem nahe gelegenen Steinbruch „entsorgt“ worden sein.

Nach dem Abzug der Amerikaner und der Übergabe an die russischen Truppen wurde der gesamte Bereich der Munitionsanstalt wieder Sperrgebiet und wurde nun von den Besatzungstruppen als Artillerie-Munitionslager 3732 ASB genutzt. Mit Ausnahme der Füllstelle – die wollten die Besatzer auch nicht haben. Der Bereich blieb Sperrgebiet und wurde teilweise als Reparationsleistung zurückgebaut; was mit den Kampfstoffresten geschah, ist nicht sicher nachvollziehbar. Der von den russischen Truppen nicht genutzte Bereich der ehemaligen Füllstelle wurde später von der Nationalen Volksarmee vereinnahmt, ein Teil der Lagerbunker wurde als Munitionslager 13 genutzt.



Teil 2, die Russen übernehmen

In die ehemalige Wohnsiedlung deutscher Offiziere zogen wieder Offiziere ein, russische diesmal. Die großzügigen Häuser und die sehr weiträumige Anlage geben dem Gebäudeensemble den Charakter einer kleinen Stadt im Wald.

Da die russischen Offiziere meist mit Frau und Kind hier wohnten, herrschte hier relativ normales Zivilleben. Um die Häuser angelegte Gärten dienten der Versorgung mit Obst und Gemüse; Veranden und Dachterrassen – mitten im Grünen – boten hier recht guten Wohnkomfort im Vergleich zu den normalen Soldaten.
Innen schien es recht geräumig gewesen zu sein – viel Platz auf zwei Etagen, wo entweder eine, bzw. zwei Familien wohnten.

Der Zustand aller ehemaligen Wohngebäude ist ausgesprochen desolat. Die Häuser sind alle völlig ausgeschlachtet. Sämtliche Türen und Fenster fehlen. Die russischen Truppen haben bei ihrem Abzug wirklich alles mitgenommen, was möglich war, und den Rest erledigte dann die Bevölkerung von den Dörfern nebenan.

Hin und wieder findet man in einem Gebäude kleinere Hinterlassenschaften, die die Ausweidung überstanden haben – aus welchem Grund auch immer. Ein einsamer Spiegel an einer Wand; ein vergessener Einbauschrank; Reste einer Deckenverkleidung aus Plastik im Stile der 1970er Jahre – einfach auf das blanke Holz geklebt.
Die Fußböden schienen alle aus Parkett zu bestehen! In einigen Zimmern hat es sogar überlebt, wenn es auch heute sehr unscheinbar daherkommt.

Die russischen Hausherren schienen überhaupt sehr spartanisch gebaut zu haben; viele Holzkonstruktionen direkt und unmittelbar entweder auf dem Erdboden oder an das Mauerwerk angebracht. In einem Gebäude hat die Eingangstür zu einem Obergeschoss überlebt. Sie erinnert eher an einen Bretterverschlag.

Interessant sind auf jeden Fall die Eingangstüren der Offiziersvillen. Sie erinnern eher an prunkvolle Portale und stammen vermutlich noch aus deutscher Zeit.

An einem dieser Portale befand sich unter der russischen Nutzung ein handgemaltes Schild, auf dem Dobro poschalowatj (Herzlich willkommen) stand. Heute ist dieses Schild leider nicht mehr erhalten…

Die Tür führte durch eine Schwingtür in den Bereich des Kindergartens und der Schule.
Da die russischen Offiziere oft mit ihren Frauen und Familien auf den Militärstützpunkten wohnten, gab es auch jede Menge Kinder. Für diese Kinder gab es dann auch entsprechende Einrichtungen auf dem Gelände, was den Charakter einer kleinen und autarken russischen Stadt innerhalb des besetzten Deutschlands noch verstärkte.
Die Flügeltür öffnete sich zu einem größeren Saal, deren Mittelpunkt einst zwei prunkvoll verzierte Säulen bildete. Von diesen Säulen sind leider nur noch Reste vorhanden.
Links vom Saal fällt der Blick in den „Spiegelsaal“. An säulenartige Streben wurden kleine Mosaiksteinchen angebracht, die einen funkelnden und spiegelnden Säulengang illusionistisch und wunderschön darstellen. Dieser Blick ist definitiv ein überraschendes Highlight!

Am gegenüberliegenden Ende des Gebäudes ist der Blick nicht ganz so spektakulär. Das liegt vermutlich jedoch daran, das der Rest des Gebäudes sich praktisch im Rohbauzustand befindet.
Eine noch recht gut erhaltene Treppe führt unmittelbar neben der Eingangstür in das Obergeschoß. Hier haben zwei kleine Klassenräume befunden. Davon ist nichts mehr geblieben, außer eine recht gut erhaltene Deckenverkleidung mit den typischen Leuchtstoffröhren – Deckenleuchten der 1980er Jahre.

Im Wonbereich gab es die gesamte für das zivile Leben notwendige Infrastruktur: ein kleiner Einkaufsladen, ein Kulturhaus mit Kinosaal, eine Bibliothek, Sport- und Spielplätze, einen Arzt… diese Gebäude konnten leider nicht auf Anhieb identifiziert werden – dafür sind es zu viele Gebäude und der Erhaltungszustand der Gebäude verbietet oft auch ein Betreten…

Erhalten und gut zu erkennen ist jedoch noch das ehemalige deutsche Wachgebäude am KDL ( Kontrolldurchlass), da es sich unmittelbar im Eingangsbereich am Zufahrtsweg nach Mockrehna und an der Einfahrt für die Eisenbahn befindet.
Das ursprünglich deutsche Gebäude wurde noch vergrößert – unverkennbar ist der typisch russische weiße Ziegelbau. Noch erhalten sind ein paar Betonplatten, mit denen die Zufahrt teilweise blockiert war.

Aus der ehemaligen deutschen Kaserne 1 wurde das russische Stabsgebäude. Es ist das einzige Gebäude, das wirklich deutlich nach Militär aussieht: Eingangskontrolle mit Zimmer des Diensthabenden; der typische lange und dunkle Flur. Das Gebäude ist in einem desolaten Zustand. Überall Schutt, abblätternde Farbe, geplünderte und ausgeräumte Zimmer. Geisterhaft hängt irgendwo der Rest einer Gardine herunter, die mit einem Nagel an der Wand befestigt war. Im Keller blieb von der selbst gebauten Sauna nichts weiter übrig als der gemauerte Rundbogen am Eingang.

Da sämtliche Gebäude noch mit Kohle bzw. Holz beheizt wurden, errichteten die russischen Truppen Anfang der 1960er mitten im Wald ein Heizkraftwerk und legten Heißwasserrohre in viele Bereiche des Geländes. Die teilweise abenteuerlichen Konstruktionen sind in weiten Teilen noch sichtbar.

Der Verlade- und Umschlagplatz für den An- und Abtransport der Munition wurde vergrößert und um Hallen für LKW-Unterstände und Werkstätten ergänzt. Die russischen Ziegelbauten sind hier leicht zu erkennen.

Inschriften russischer Wehrpflichtiger verzieren die Rückwand – eines der wenigen erhaltenen und noch deutlich erkennbaren Relikte der russischen Hausherren.

An der Bahnverladestelle ist ein russischer Anbau aus Holz zu erkennen. Die Gleise sind hier vor lauter grün nicht mehr zu erkennen; wer weiß, ob sie überhaupt noch liegen….

Der Bereich der Feuerwehr wurde ebenfalls etwas erweitert. Der Unterstand für die Löschfahrzeuge scheint noch aus deutscher Zeit zu stammen, das Gebäude ist aus massivem Stahlbeton mit einer dicken Decke.

Viel Wert scheint man eher auf manuelle Löschmittel gelegt zu haben – die zentralen Punkte zur Aufbewahrung diverser Hand-Löschmittel fallen deutlich größer aus, als man das aus anderen Objekten kennt. Die kyrillischen Buchstaben, die einen Sammelpunkt für Feuerlöschmittel kennzeichnen, sind überraschend gut erhalten und noch deutlich zu lesen..

Interessant ist ein besonderer Gebäudeteil: der russische Knast, der immerhin drei größere Zellen enthielt. Zumindest waren hier die Fenster nicht vernagelt, sondern „nur“ vergittert. Die Zellen hatten noch nicht einmal Toiletten oder Waschbecken… es waren einfach nur nackte, leere Räume.

Der innere Bereich des Munitionslagers war mit Stacheldraht und hohen Splitterschutzwällen gesichert; die Wälle stammten noch aus deutscher Zeit und wurden bei Bedarf verlängert. Heute sind die Zaunreste im dichten Wald kaum noch zu erkennen.

Der Blick in ein ehemaliges Munitionsarbeitshaus ist hoffentlich ungefährlich… Es sieht völlig ausgeräumt aus. Die massive Bauweise ist gut zu erkennen.
Was genau hier passierte, ist unbekannt. Die Geheimhaltung war und ist so groß, das nichts darüber bekannt ist.

Im wesentlichen nutzten de russischen Truppen die Munitionslagerbunker so, wie sie sie vorgefunden haben. Sie waren alle noch intakt und durch den Baumbewuchs ohnehin gut getarnt im Gelände verstreut.

Bei einigen oberirdischen Gebäuden und Lagergebäuden wurde durch die russischen Hausherren leichte Umbauten angebracht. Da die Gebäude alle aus massivem Stahlbeton waren, fallen die nachträglichen Ziegel-Einbauten heute deutlich auf.

Mitten im Wald findet sich ganz überraschend ein typisch russischer Holzbau – eine Art Raucherinsel – im gesamten Gelände herrschte aus nachvollziehbaren Gründen strenges Rauchverbot! Rauchen war nur an wenigen Stellen erlaubt – dies war so ein Ort.

Ein russisches Dienstgebäude – schön mit Zimmer für den Diensthabenden Offizier am Eingangsbereich – ganz in der Nähe der Raucherinsel enthält überraschend noch Teile der Wandverkleidung.

Auch hier typisch russisch: die Wandverkleidung war direkt am nackten Mauerwerk befestigt.

Ein eher unerwarteter Fund in dem weitläufigen Gelände war ein elektrischer Anschaltpunkt in massiv gemauerter Form. Die Kabel sind lange verschwunden, aber der Rest steht noch…

Ein anderer Blick auf russische Technik ergibt sich überraschend im recht großen Keller eines anderen Gebäudes. Vermutlich wurde hier Wasser erhitzt – ob es sich bei dem Gebäude um eine Wäscherei oder eine Art Badehaus handelte, lässt sich nicht mehr ansatzweise feststellen.

1993 zogen die russischen Besatzer aus dem Gelände ab und nahmen alles mit, was sich mitnehmen ließ. Viele Gebäude wurden schlicht in den Rohbauzustand zurückversetzt. Das Gelände wurde seit dem Abzug der russischen Truppen sich selbst überlassen. Was folgte war das Übliche: Metalldiebe, Vandalismus, illegale Müllablagerung, Abenteuerspielplatz, Souvenirjäger.

Ob auf dem Gelände überhaupt eine weitergehenden Untersuchung auf Altlasten und Munitionsrückstände statt gefunden hat, glaub ich nicht, obwohl ich bei meinen Sondeleinsätzen außer Stacheldrahtreste und anderen Metallmüll nichts gefunden habe.

Heute hat sich die Natur weite Teile des gesamten Geländes zurückgeholt, und ich muß mich, obwohl ich öfters in der Muna bin, immer wieder selbst orientieren.

Und nun sind sie da, die Abrißbagger. Bin gespannt, wie es weiter geht.

So, daß war mal bisschen Geschichte zur Muna, so wie ich sie kenne, hab bestimmt auch was vergessen, aber das kann man dann immer noch ergänzen.

Mal sehen, was Teil 3 so bringt, wenn es da überhaupt was zu berichten gibt. :confused-smiley-013:

Bilder vom Zerfall hab ich hier mal nicht mit eingestellt, sind ja genügend von Marcus vorhanden, und meist wären sie dann doppelt. :s012:

Gruß Siggi

Robbells
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Re: Lost Place - ehemailge Luftwaffenmuna

Beitrag von Robbells » Fr 8. Mai 2020, 08:24

Wow....ich bin begeistert über deinen mega ausführlichen Beitrag.

Wirklich sehr sehr interessant!

Dankeschön!

Gruß Robbells

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